
Ich schaffe meine Arbeit als Führungskraft nicht mehr
Wenn dieser Satz bei dir im Kopf läuft, lautet die kürzeste ehrliche Antwort: Prüf zuerst den Zuschnitt deiner Stelle, nicht deine Disziplin. Ich schaffe meine Arbeit als Führungskraft nicht mehr, diesen Satz höre ich in Erstgesprächen regelmässig, und er kommt fast nie von Männern, die schlecht planen. Er kommt von Männern, bei denen in den letzten zwei Jahren Aufgaben dazugekommen sind, ohne dass jemand gesagt hätte, was dafür weggeht.
Der erste Schritt ist darum kein Kurs und keine neue App. Nimm ein Blatt und schreib auf, welche Entscheidungen heute auf deinem Tisch landen, die vor zwei Jahren jemand anders getroffen hat. Wird die Liste länger als fünf Zeilen, hast du kein Zeitproblem. Dann besetzt du zwei Stellen. Und dann hilft dir kein besseres Priorisieren, sondern ein Gespräch über Verantwortungsgrenzen.
Woran du erkennst, ob du schlecht organisiert bist oder zwei Stellen besetzt
Schlecht organisiert sieht so aus: Du weisst am Montag nicht, was in dieser Woche wirklich wichtig ist, und Dinge verschwinden in Mailverläufen, bis jemand nachfragt. Dann sagst du zu, ohne nachzusehen, was schon drinsteht. Unangenehm, aber lösbar. Zwei Stunden Arbeit an der Wochenstruktur, und die meisten davon sind weg.
Zwei Stellen besetzen sieht anders aus. Du weisst genau, was wichtig ist. Du kommst nur nicht dran, weil zwischen dir und der wichtigen Sache vierzig kleine Entscheidungen liegen, die dir vor zwei Jahren jemand abgenommen hat. Du arbeitest nicht unsauber. Du arbeitest an Dingen, für die du nicht eingestellt wurdest.
Die Unterscheidung klingt akademisch und kostet in der Praxis Jahre. Wer sich für schlecht organisiert hält, optimiert weiter an sich selbst, kauft das nächste Buch, steht noch eine halbe Stunde früher auf und wundert sich, dass es nicht besser wird. Ein zweites Erkennungszeichen ist der Abend. Wenn du erst nach zwanzig Uhr an die Arbeit kommst, für die dein Titel steht, hat das mit Fleiss nichts zu tun. Die Stelle passt dann nicht in einen Arbeitstag.
Was die Zahlen hergeben und was nicht
Korn Ferry hat für den Workforce 2026 Report über 16 000 Berufstätige in elf Märkten befragt, quer durch alle Ebenen. In der Mitteilung vom 8. September 2026 stehen zwei Zahlen, die zusammengehören: 42 Prozent der Organisationen haben im vergangenen Jahr Führungsstellen gestrichen, und 55 Prozent der Führungskräfte, die geblieben sind, bezeichnen sich als erschöpft. 61 Prozent aller Befragten übernehmen Aufgaben von mehr als einer Rolle. 45 Prozent sagen, sie seien zu beschäftigt, um Ergebnisse zu liefern, die das Unternehmen voranbringen.
Dazu gehört, was diese Zahlen nicht sind. Die Befragung weist die Schweiz, Deutschland und Österreich nicht einzeln aus. Sie wertet nicht nach Geschlecht aus und nicht danach, ob jemand Kinder hat. Als Aussage über Väter in Führung taugt sie nicht. Als Hinweis darauf, dass dein Eindruck eine Entsprechung im Organigramm hat, taugt sie gut.
„Ich schaffe meine Arbeit als Führungskraft nicht mehr" ist kein Satz über deine Belastbarkeit
Ich habe Profifussball gespielt, Bundesliga und Nationalteam. Auf dem Platz passiert dasselbe im Kleinen, mehrmals pro Saison. Wenn einer eine rote Karte sieht, sagt kein Trainer den verbleibenden zehn, sie sollen jetzt mehr laufen. Er ändert das System. Eine Position fliegt raus, eine Aufgabe wird gestrichen, die Mannschaft spielt anders weiter. Wer zehn Mann im Elf-Mann-System weiterspielen lässt, verliert das Spiel nicht in der achtzigsten Minute. Er verliert es in der sechzigsten.
In Firmen läuft es umgekehrt. Die Stelle fällt weg, das System bleibt stehen, und die Erwartung bleibt auch. Niemand sagt dir: Du machst das jetzt zu zweit allein. Es wird einfach nicht mehr darüber geredet, und weil keiner es ausspricht, suchst du den Fehler bei dir. Come on. Zehn gegen elf ist Mathematik, kein Charakterfehler.
Das Gespräch, das du seit Monaten verschiebst
Das Gespräch, das hilft, ist kurz und unbequem. Du gehst mit zwei Dingen hinein: der Liste von oben, und einem Vorschlag, was wegfällt. Ohne den zweiten Teil wird es ein Klagegespräch, und Klagegespräche ändern nichts, sie kosten dich nur Ruf. Mit dem zweiten Teil wird es eine Entscheidung, die nicht du treffen musst, sondern dein Chef oder dein Verwaltungsrat: Entweder geht die Aufgabe zurück an die Ebene, die sie früher hatte, oder sie bekommt eine eigene Person, oder sie fällt ganz weg, oder er sagt dir ins Gesicht, dass es so bleibt. Auch das ist ein Ergebnis. Dann weisst du, woran du bist, und du entscheidest auf einer anderen Grundlage als vorher.
Was die meisten stattdessen tun, kenne ich aus sieben Jahren Coaching und über 150 Klienten: Sie verschieben das Gespräch und holen die Stunden zu Hause. Der Laptop kommt nach dem Zähneputzen der Kinder wieder auf den Küchentisch. Das trägt ein halbes Jahr, manchmal zwei. Dann sitzt deine Frau im Wohnzimmer und sagt dir, dass du nie da bist, und das Gespräch, das du im Büro vermieden hast, findest du nun zu Hause, unter schlechteren Bedingungen. Zwei Wege daraus habe ich hier schon beschrieben: woran ein kleineres Pensum in Führungsposition in der Praxis scheitert und warum die Aufgabenteilung mit der Partnerin trotz guter Absicht nicht hält.
Ein Klient aus Zug hat die Liste gemacht und ist auf elf Zeilen gekommen. Elf Entscheidungen, die vor der Reorganisation eine Ebene über ihm lagen. Vier davon hat er im Gespräch zurückgegeben, zwei hat er behalten, weil er sie mag, und fünf sind geblieben, wo sie waren. Sein Tag ist nicht leer geworden. Er weiss jetzt aber, dass er fünf Dinge zu viel macht und warum, und das ist ein anderer Zustand als die Vermutung, er sei zu langsam.
Was in dieser Woche dran ist
Erfolg im Beruf und Präsenz zu Hause schliessen sich nicht aus. Beides zusammen geht aber nur mit einem Zuschnitt, der in einen Tag passt, und dieser Zuschnitt ist Verhandlungssache. Solange du die Überlastung als persönliches Defizit behandelst, verhandelst du nicht. Du trainierst härter für ein Spiel, das zahlenmässig nicht aufgeht.
Also: Liste schreiben, zwanzig Minuten, diese Woche. Danach das Gespräch vereinbaren, mit Datum im Kalender, nicht mit bald. Wenn du dabei jemanden willst, der mitgeht und nicht nur zuhört: Ich arbeite in Zollikon, Baar und Bregenz mit Unternehmer-Vätern an genau diesen Gesprächen, im Coaching für Väter in Führung.




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