
Teilzeit als Mann in Führungsposition: woran es scheitert
Wenn du dein Pensum reduzieren willst und seit Monaten nicht weiterkommst, liegt das selten an deinem Chef und so gut wie nie an deinem Mut. Teilzeit als Mann in Führungsposition scheitert fast immer an derselben Stelle: Du hast nie ausformuliert, was du eigentlich beantragst. „Weniger arbeiten" ist kein Antrag, das ist ein Wunsch. Und einen Wunsch kann ein Vorgesetzter nur ablehnen oder vertagen.
Was durchgeht, sieht anders aus. Es nennt die Stunden oder die Tage. Es sagt, wer in deiner Abwesenheit welche Entscheidung trifft. Es legt fest, wann du erreichbar bist und wann nicht. Und es benennt den Preis, beim Lohn, bei der Verantwortung, vielleicht beim Titel. Vier Punkte auf einer halben Seite. Wer damit ins Gespräch geht, verhandelt. Wer ohne das hineingeht, kommt mit einem „schauen wir mal" zurück und grübelt dann weiter.
Teilzeit als Mann in Führungsposition ist kein Mutproblem
Ende September hat der Schweizerische Nationalfonds eine Arbeit von Jan Müller und Youngjoo Cha vorgestellt, die diese Lücke vermessen hat. Jedes Jahr entwickeln knapp zehn Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer in der Schweiz den Wunsch, weniger zu arbeiten. Davon setzen ihn zehn Prozent um. Über alle Vollzeitmänner gerechnet ist das etwa einer von hundert pro Jahr. Die Zahlen stehen in der Mitteilung des Nationalfonds vom 28. September 2026.
Zwei Dinge gehören dazu, bevor du dich darin wiedererkennst. Die Auswertung unterscheidet nicht zwischen Männern mit und ohne Kinder, und sie sagt nichts über Führungsverantwortung. Sie beschreibt vollzeitbeschäftigte Männer in der Schweiz, nicht Väter und nicht Geschäftsleitungen. Dazu reichen die Daten von 2004 bis 2020, was danach kam, ist darin nicht abgebildet.
Trotzdem erklärt die Arbeit etwas, das ich in Gesprächen dauernd höre. Als Haupthindernis nennen die Autoren nicht den fehlenden Willen, sondern die Normen des jeweiligen Berufs. Wo das Bild vom Mann als Ernährer stark ist und hohe Hingabe erwartet wird, reduziert fast niemand. Wo Betriebe Vereinbarkeit aktiv fördern, steigt der Anteil deutlich. Der Unterschied liegt also weniger in dir als in dem Feld, in dem du arbeitest.
Dabei ist die Schweiz kein Land, das Teilzeit nicht kennt. Rund vierzig Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten reduziert, bei den Frauen etwa sechzig Prozent, bei den Männern inzwischen mehr als jeder Fünfte. Bei den Männern hat sich der Anteil seit 2000 verdoppelt. Unter den OECD-Ländern liegt die Schweiz damit auf dem zweiten Platz, hinter den Niederlanden. Die Möglichkeit ist da. In manchen Branchen ist sie nur noch nicht normal.
Finde zuerst heraus, was in deinem Betrieb schon genehmigt wurde
Bevor du mit deinem Vorgesetzten redest, mach Feldarbeit. Wer in deinem Betrieb arbeitet bereits reduziert, und wie hat diese Person es formuliert? Gibt es jemanden auf deiner Stufe oder darüber, der einen Tag fest weg ist? Wurde das intern als Entgegenkommen erklärt oder als Modell? Zwei Telefonate genügen meistens, und danach weisst du, ob du der Präzedenzfall bist oder der vierte Fall.
Das verändert dein Gespräch mehr als jedes Argument. Ein Vorgesetzter, der so etwas noch nie genehmigt hat, denkt nicht über deine Stunden nach. Er denkt darüber nach, was er dem Kunden sagt, der am Freitagnachmittag anruft. Nimm ihm diese Sorge ab, und die Stundenfrage wird plötzlich klein.
Ein Klient aus Zug, Geschäftsführer in einem Betrieb mit rund vierzig Mitarbeitenden, hat vier Monate gebraucht, bis er das Gespräch führte. Nicht weil er zögerte. Er wusste bis dahin nicht, wer am Freitag unterschreibt, wenn er nicht da ist. Als diese Frage beantwortet war, dauerte das Gespräch selbst zwanzig Minuten.
Vier Punkte, die vor dem Gespräch stehen müssen
Die Stunden. Nicht „weniger", sondern achtzig Prozent, Freitag ganz frei. Ein halber Tag an zwei Tagen ist etwas anderes als ein ganzer Tag, und für den Betrieb oft der schwierigere Weg, weil nichts wirklich abgeschlossen werden kann.
Die Übergabe. Schreib auf, welche Entscheidungen in deiner Abwesenheit ohne dich fallen, und nenne dazu einen Namen. Wenn du das nicht kannst, ist dein Betrieb nicht teilzeittauglich, und das ist eine Information, die du sowieso brauchst.
Die Erreichbarkeit. Sag selbst, was gilt, bevor es sich von allein regelt. Erreichbar für zwei Fälle, die du vorher benennst, sonst nicht. Alles andere läuft darauf hinaus, dass du den freien Tag mit dem Telefon in der Hand verbringst.
Der Preis. Der Lohn sinkt anteilig, das ist der einfache Teil. Der unangenehme Teil ist die Frage, ob Verantwortung oder Titel mitgehen. Beantworte sie selbst und zuerst. Wer sie offen lässt, überlässt sie jemandem, der weniger Interesse an einer guten Antwort hat.
Anwesend ist nicht dasselbe wie erreichbar
Die meisten Männer, die ihr Pensum erfolgreich reduziert haben und ein halbes Jahr später bei mir sitzen, haben kein Stundenproblem mehr. Sie haben ein Anwesenheitsproblem. Der Freitag ist frei, der Kopf nicht. Das Kind merkt davon mehr als vom Kalender, und die Partnerin sagt irgendwann denselben Satz wie vorher. Warum dieser Satz fast nie von der Uhrzeit handelt, steht in dem Beitrag darüber, was deine Frau mit „Du bist nie da" eigentlich meint.
Deshalb gehört zur Reduktion ein zweiter Teil, über den im Gespräch mit dem Chef nichts steht. Was passiert in den Stunden, die du jetzt hast? Wer entscheidet zu Hause, wie sie genutzt werden? Ein freier Freitag, der zum Erledigungstag wird, war die Mühe nicht wert.
In sieben Jahren Coaching und über hundertfünfzig Begleitungen habe ich kaum einen Mann erlebt, bei dem es am Antrag gescheitert ist. Gescheitert ist es daran, dass der Antrag nie geschrieben wurde, oder daran, dass hinterher niemand gesagt hat, wofür die Zeit da ist. Ob ein Coaching an dieser Stelle etwas bringt, hängt davon ab, wie weit du schon bist: wann ein Coaching für Väter etwas bringt und wann nicht, habe ich getrennt aufgeschrieben.
Wenn du dein Pensum reduzieren willst und die vier Punkte oben noch leer sind, ist das die Arbeit, mit der ich anfange. Ich begleite Väter in Führungs- und Unternehmerrollen in Zollikon, Baar und Bregenz, und wie das abläuft, steht auf der Seite zum Coaching für Väter in Führungsverantwortung.




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