
„Du bist nie da." Was deine Frau damit wirklich meint
Aktualisiert: 24. Sept.
Der Satz kommt selten im Streit. Meistens kommt er an einem Dienstagabend, beiläufig, während sie die Spülmaschine ausräumt. Und die meisten Männer, mit denen ich arbeite, reagieren gleich: Sie rechnen.
Ich bin am Samstag mit den Kindern im Wald gewesen. Ich war letzte Woche bei jedem Abendessen dabei. Ich habe die Ferien geplant.
Die Rechnung stimmt oft sogar. Sie hilft nur nichts, weil sie eine andere Frage beantwortet als die, die gestellt wurde.
„Du bist nie da" ist keine Aussage über Stunden. Es ist eine Aussage über Aufmerksamkeit. Deine Frau zählt nicht, wie lange du im Raum warst. Sie merkt, ob du erreichbar warst, während du da warst. Und das ist etwas, das man nicht vortäuschen kann. Kinder merken es zuerst, Partnerinnen sagen es zuerst.
Ich habe das selbst lange nicht verstanden. Im Profisport war Anwesenheit dasselbe wie Leistung. Du bist im Training, also arbeitest du. Zu Hause funktioniert das nicht. Zu Hause bist du erst da, wenn du aufhörst, nebenbei etwas anderes zu tun.
Was bei den Männern, mit denen ich arbeite, den Unterschied macht, ist meistens kleiner als erwartet. Nicht mehr Zeit. Ein sauberer Übergang.
Die zwanzig Minuten zwischen Büro und Haustür sind die wichtigsten des Tages. Die meisten nutzen sie, um die letzten Mails zu beantworten. Ein Klient von mir aus Zug parkt seit einem halben Jahr zweihundert Meter vor dem Haus und geht den Rest zu Fuss. Er hat mir gesagt, das sei das Einzige aus dem ganzen Coaching, was seine Frau von sich aus angesprochen habe.
Es geht nicht darum, dass Spazierengehen etwas Magisches hat. Es geht darum, dass du irgendwo zwischen der Offerte und dem Esstisch einen Punkt brauchst, an dem das eine aufhört und das andere anfängt. Ohne den nimmst du das Büro mit an den Tisch, und dann sitzt du zwar da, aber du bist nicht da.
Wenn du diesen Satz von deiner Frau schon gehört hast, ist das übrigens ein gutes Zeichen. Es heisst, dass sie noch etwas von dir will.
Schlimmer ist der Punkt danach. Wenn sie aufhört, es zu sagen.
Wie ich mit Vätern arbeite, die ein Unternehmen oder ein Team führen, steht hier: Coaching für Väter in Führung




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