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Tomasz Pekala

Keine Lust mehr, Führungskraft zu sein: woran du es prüfst

vor 10 Minuten
4 Min. Lesezeit

Wenn du keine Lust mehr hast, Führungskraft zu sein, heisst das in den meisten Fällen nicht, dass du die Verantwortung loswerden willst. Es heisst, dass du die Art nicht mehr aushältst, wie du sie gerade trägst. Das ist ein Unterschied, und er entscheidet darüber, ob du in einem Jahr dasselbe Gefühl hast, nur mit kleinerem Titel.

Trenn deshalb zwei Fragen, bevor du mit deinem Verwaltungsrat redest oder eine Fachkarriere prüfst. Erstens: Will ich überhaupt noch Verantwortung für Menschen tragen? Zweitens: Will ich sie noch so tragen wie jetzt, mit diesem Kalender und diesem Personalstand? Die Männer, die deswegen zu mir kommen, beantworten die erste Frage fast immer mit ja und die zweite mit nein. Dann geht es nicht um einen Ausstieg. Es geht um einen Zuschnitt.

Jeder Dritte denkt darüber nach, die Führung abzugeben

Mit dem Gedanken bist du nicht allein, und zwar nicht knapp. In einer Befragung von 500 vollzeitbeschäftigten Führungskräften in Deutschland haben 33 Prozent bereits darüber nachgedacht, Führungsverantwortung abzugeben. 58 Prozent sagen, die Führungsrolle mache es ihnen schwerer, sich an die Gesundheitsempfehlungen zu halten, die sie ihren eigenen Leuten geben. 53 Prozent arbeiten weiter, obwohl sie sich nicht arbeitsfähig fühlen, und 60 Prozent haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich krankmelden. Zu kurz kommen der Schlaf bei 49 Prozent, die Erholung bei 42, Freundschaften bei 37 und die Familie bei 33 Prozent. Die Zahlen stehen im Longevity Leadership Report der HanseMerkur, erhoben von Ipsos im August 2026 und veröffentlicht am 20. Oktober 2026.

Zwei Einschränkungen, damit du sie richtig liest. Es ist die Erhebung eines Krankenversicherers, nur in Deutschland, und alles sind Selbstauskünfte. Dazu kommt: Die Stichprobe war zu 70 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liegt bei 40,8 Jahren, aber kein einziges Ergebnis ist nach Geschlecht oder nach Elternstatus ausgewiesen. Über Väter sagt die Studie also nichts. Über Führungskräfte in deinem Alter sagt sie: Der Gedanke, auszusteigen, ist der Normalfall und kein Defekt.

Hast du keine Lust mehr, Führungskraft zu sein, oder keine Lust mehr auf diese Woche?

Die Unterscheidung klingt spitzfindig. Sie ist der ganze Punkt.

Wer die Rolle wirklich nicht mehr will, redet über Menschen. Ihn kostet es Kraft, Erwartungen zu tragen und für andere zu entscheiden. Auch dann, wenn die Woche ruhig ist, das Team komplett und der Kunde zufrieden. Das gibt es. Dann ist der Wechsel in eine Fachrolle die richtige Entscheidung.

Wer die Art nicht mehr will, redet über Umstände. Zwei unbesetzte Stellen seit März. Vierzig Stunden Sitzungen in einer Woche mit fünfzig Arbeitsstunden. Das Handy, das um 21:40 Uhr auf dem Küchentisch leuchtet, während der Sohn erzählt, was im Training passiert ist. Diese Männer wollen die Verantwortung behalten. Sie wollen sie nur nicht länger unter diesen Bedingungen tragen.

Der Unterschied zeigt sich an einer Probe, die zwei Minuten dauert. Stell dir vor, du bekommst morgen zwei Leute mehr ins Team, deine Abende sind frei und ab 19 Uhr erreicht dich niemand. Willst du die Rolle dann noch? Wenn ja, dann liegt dein Problem im Zuschnitt deiner Stelle.

Der Test, den ich mit Klienten mache, dauert zwanzig Minuten

Ein Blatt Papier, zwei Spalten. Links schreibst du alles auf, was wegfällt, wenn du die Führung abgibst. Rechts alles, was bleibt. Nicht wertend, nicht sortiert, einfach aufschreiben, bis dir nichts mehr einfällt.

Nach zehn Minuten sieht fast jeder dasselbe. Links stehen Dinge, die am Zuschnitt der Stelle hängen: Sitzungen, Reporting, Personalentscheidungen, zwei Projekte, die nie jemand abgegeben hat. Rechts steht die eigentliche Belastung: die Erreichbarkeit, der Anspruch, dass niemand merkt, wie knapp es ist, der Sonntagabend. Wer in dieser Lage den Titel abgibt, gibt die linke Spalte weg und behält die rechte. Der Druck bleibt, das Gehalt nicht.

Ein Geschäftsführer aus Zug mit vierzig Mitarbeitern hat diese Liste gemacht und danach nicht gekündigt. Er hat zwei Bereichsleiter eingesetzt, seine Mittwochnachmittage im Kalender gesperrt und das Diensthandy ab 19 Uhr in die Schublade gelegt. Drei Monate später war die Lust auf die Rolle zurück. Gekostet hat ihn das zwei Gespräche und eine Schublade.

Was du zuerst änderst, wenn du bleibst

Fang nicht bei den Aufgaben an, fang bei der Erreichbarkeit an. Solange dich dein Team jederzeit erreicht, wird jede Entlastung innerhalb von Tagen wieder aufgefüllt. Ein fester Zeitpunkt am Abend, ab dem du nicht mehr antwortest, bewegt in zwei Wochen mehr als jede Priorisierungsmethode.

Dann die Entscheidungen. Schreib eine Woche lang mit, welche Entscheidungen über deinen Tisch gelaufen sind. Streich danach alle, die jemand anders hätte treffen können, auch wenn er sie schlechter getroffen hätte. Genau da steigen Unternehmer aus: Sie halten die schlechtere Entscheidung nicht aus. Come on, eine Entscheidung, die zu achtzig Prozent passt und nicht bei dir liegt, ist besser als die perfekte, für die du den Abend verlierst.

Und dann der Teil, den die meisten überspringen. Du musst es jemandem sagen. Deiner Partnerin, deinem Mitgründer. Und zwar als Ankündigung, was du ab Montag anders machst, nicht als Geständnis. Wer es für sich behält, dreht nach der ersten unruhigen Woche alles zurück. Wie sich das anfühlt, wenn die Menge selbst das Problem ist, habe ich in dem Beitrag darüber beschrieben, was zu tun ist, wenn du deine Arbeit als Führungskraft nicht mehr schaffst.

Und wenn du die Rolle wirklich abgeben willst

Dann gib sie ab. Aber nicht in der Woche, in der du am dünnsten bist, und nicht als Flucht. Setz einen Zeitpunkt drei Monate nach vorne. Kläre vorher die Zahlen zu Hause und rede mit deiner Partnerin darüber, was sich an Einkommen und an Status ändert, bevor du es im Betrieb ansprichst.

Rechne auch nicht damit, dass automatisch Zeit zu Hause entsteht. Männer, die ihr Pensum reduzieren, arbeiten häufig dieselben Stunden in weniger Tagen. Woran das scheitert, habe ich in meinem Beitrag über Teilzeit als Mann in Führungsposition aufgeschrieben.

Im Profifussball habe ich gelernt, dass ein Formtief nicht verschwindet, weil man die Position wechselt. Es verschwindet, wenn sich ändert, was zwischen den Spielen passiert. Beruflicher Erfolg und ein Zuhause, in dem du wirklich anwesend bist, schliessen sich nicht aus. Du brauchst dafür ein System, das beides trägt, und das baut sich nicht am Wochenende nebenbei.

Wenn du im Moment nicht weisst, ob du die Rolle abgeben oder nur anders ausfüllen willst, dann ist das die erste Stunde Arbeit. Mach sie mit jemandem, der nicht in deiner Firma sitzt. Dafür gibt es das Coaching für Väter in Führungsverantwortung in Zürich. Ich sage dir, was nicht funktioniert, und ich gehe den Weg mit.

 
 
 

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